Importe aus Fernost–nur billig oder auch Qualität?

Seit über 10 Jahren importieren wir, mit zunehmender Tendenz, einen Teil unseres Elastomer-Bedarfs aus China. Der Schritt dorthin war nicht leicht, aber durch die preislichen Anforderungen des Marktes unvermeidbar. Früher haben wir, aus Überzeugung, ausschließlich Qualitätsware aus Europa vertrieben und sperrten uns gegen Importwaren aus China. Vermehrt mussten wir aber feststellen, dass wir bei Aufträgen den Zuschlag nicht erhielten und stattdessen die Kunden auf Lieferanten mit günstigerer China-Ware zurückgriffen.

 

Von Andreas Eifler – Geschäftsführer – Theodor Winkel GmbH

Mit der Einstellung, dass es das Gesetz der Wirtschaft verbiete, für wenig Geld viel Wert zu erhalten, wagten wir den Schritt, unsere erste Bestellung aus China in Auftrag zu geben. Als die ersten beiden Container eintrafen waren wir wenig überrascht und fühlten uns bestätigt, als wir feststellten, dass die gelieferte Ware absolut unverkäuflich war. Das Material war übel riechend, hatte einen undefinierbaren Schmierfilmüberzug und war auch vom sonstigen Erscheinungsbild her nicht zur Weiterverarbeitung geeignet. Die Abwicklung der Reklamation dauerte etwa 2 Jahre und verursachte einen Aufwand von rund 7.500 EUR (die Kosten für Container-Miete, Lagerblockade und Mitarbeitereinsatz noch gar nicht berücksichtigt).

 

Warum haben wir dennoch weitere Bestellungen in China ausgelöst? Weil es der Markt forderte!

Nach den Problemen mit der ersten Sendung beschäftigten wir uns intensiver mit dem Thema China. Wir informierten uns bei Außenhandelsverbänden, der IHK und erfahrenen Importeuren und lernten so, was es bei Importen aus China zu beachten gilt. Von großer Bedeutung bei Importen aus China ist zum Beispiel, dass die Waren und Produkte den strengen Ansprüchen deutscher Gesetze standhalten müssen. Denn nach dem Produkthaftungsgesetz haftet nicht der Hersteller für fehlerhafte Produkte, sondern der Importeur. Dabei ist es wichtig, die gesetzlichen Vorschriften beider Länder zu kennen.

 

Auch unsere Importbestimmungen (u.a. WEEE, CE, TÜV, GS, RoHS, Verpackungsverordnungen und vieles mehr) und die Exportbestimmungen Chinas müssen beachtet werden und fordern eine sorgfältige Auswahl des Lieferanten. Schließlich kostet jede Fehlentscheidung weiteres Geld, welches den zunächst günstigen Einkaufspreis schnell in die Höhe treiben kann.

>> (Anm. S. Eifler) Das Bild verdeutlicht, was schlechte Qualitäten für Risiken mit sich        bringen. Der hier gezeigte Metalleinschluss kann beim Fertigungssprozess Maschinen und Werkzeuge beschädigen, aber als Fremdkörper später auch im Einsatz zu Problemen führen. <<

Trotz aller Sorgfalt, natürlich sind Geschäfte in China immer mit Risiken verbunden. Doch man kann sich weitgehend schützen, indem man sich gut informiert, nicht unüberlegt handelt und seine Geschäftspartner sorgfältig auswählt.Unter Risikominimierung versteht sich neben einer genauen Produkt-Spezifikation, auch eine gründliche Wareneingangskontrolle. Diese beinhaltet neben der Prüfung nach Maßhaltigkeit auch eine Überprüfung der Shorehärte, des Geruches, des äußeren Erscheinungsbildes (Blasen, Risse, erkennbare Einschlüsse, Lagenbindungsfehler, etc.).

Komplizierter ist es zu ermitteln, ob die gelieferte Ware auch den geforderten Grundparametern wie Basis-Polymer und dessen Anteil an der Gesamtzusammensetzung entspricht. Dies kann nur analytisch ermittelt werden, weshalb wir regelmäßig Stichproben an darauf spezialisierte Labore senden.

 

Ja, China ist inzwischen in der Lage hervorragende Qualitäten zu liefern. Dies gilt natürlich nicht für jeden Hersteller, aber hat man einen verantwortungsbewussten Produzenten gefunden, dann kann die bestellte Ware auch problemlos auf dem deutschen Markt vertrieben werden. Unsere Erfahrungen sind diesbezüglich inzwischen überwiegend positiv. Dennoch kommt es vor, dass Chargen schlechter ausfallen als andere. Dies liegt unter anderem daran, dass die Waren aus den gerade zur Verfügung stehenden Regeneraten und Füllstoffen gefertigt werden, die mal bessere oder auch mal schlechtere Qualität haben können. Die Ware entspricht aber in der Regel den zugesicherten Mindestanforderungen. Doch immer gilt: Intensive Kontrolle ist unerlässlich!

 

Für mich steht fest, man kann gute Dichtungen aus chinesischer Ware herstellen. Materialbedingte Ausfälle bei Produkten haben wir bei Materialien aus China genau so erlebt wie bei europäischer Ware. Risiken beim Import lassen sich vermindern, aber nie ganz ausschließen. Mit den Importen aus China sind wir in der Lage, die vom Markt geforderten Preise einzuhalten. Diese günstigen Materialien können in ihrer Qualität Abweichungen zeigen, entsprechen aber zumeist den Mindestanforderungen. Die hochwertigen Materialien aus China können qualitativ mit Ware aus Europa mithalten

 

Artikel wurde/wird veröffentlicht im:

"Technischer Handel"  04/2012 (VTH/Vincentz)

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